Kleiner Sprachkurs ESPERANTO
23. Lektion
Wie ihr in der 21. Lektion gelernt habt, kann man im E-o Zeitwörter mit Hilfe von Verhältniswörtern abwandeln. Auch andere Zusammensetzungen, wie im Deutschen, sind möglich: esperantoamiko, salajrosklavo (Lohnsklave), dormoĉambro (Schlafzimmer), patrolando, legolibro (Lesebuch), skribotablo (Schreibtisch), antaŭurbo (Vorstadt).
Dabei können innerhalb des zusammengesetzten Wortes die grammatische Endungen weggelassen werden, wenn dadurch die Verständlichkeit des Wortes und die leichte Ausprechbarkeit nicht beeinträchtigt werden:
dormĉambro (statt dormoĉambro), poŝtkarto, poŝtmarko, poŝtkesto, leterkesto (Briefkasten), vagonpordo, lipharoj (Schnurrbart), skribmaŝino, monsklavo (Geldsklave), Kulturligo (Kulturbund), mateno (Morgen) matenmanĝo (Frühstück) matenmanĝi, tagmanĝo (Mittagessen), vespermanĝo (Abendbrot), piro (Birne) pirarbo, pirujo (Birnenbaum), patrujo (Vaterland), lernlibro (Lehrbuch), popolo (Volk) popolkanto, popoldemokratio, popolribelo (Volksaufstand).
Allzu lange Wörter sind aus stilistischen Gründen besser zu zerlegen. Für banoĉambropordo bieten sich an: banĉambropordo oder pordo de la banĉambro oder noch kürzer pordo de la banejo (wenn man ohnehin aus dem Kontext weiß, daß es sich nur um das Bad in der Wohnung handeln kann). E-o ist auch in dieser Hinsicht eine sehr flexible Sprache.
Der Artikel kann apostrophiert werden, wenn das vorhergehende Wort - häufig das Verhältniswort de - mit einem Vokal endet. So wäre la pordo de l' banĉambro möglich. Jedoch bleiben diese manchmal sehr wohlklingenden Apostrophierungen in der Regel der poetischen Sprache vorbehalten.
Bandwurmwörter wie antaŭurborevoluciokomitato sind leicht durch "einleuchtendere" Formulierungen wie antaŭurba revolucikomitato zu ersetzen, wobei man unnötige Substantivformen in adjektivischen Wendungen ausdrückt. Elternhaus (gepatra domo).
Die Nachsilbe il- bezeichnet ein Instrument, ein Mittel: ilo (einzelnes Werkzeug), ilaro (mehrere Werkzeuge), bori (bohren) borilo (Bohrer), tranĉi (schneiden) tranĉilo (Messer), pafi (schießen) pafilo (Gewehr, aber auch Krampenschleuder oder Schnippgummi wäre denkbar), tondi (schneiden, scheren) tondilo (Schere), skribilaro (Schreibzeug), manĝilaro (Eßbesteck), veturilo (Fahrzeug), haki (hacken) hakilo (Beil, Hacke).
Manche Ausdrücke aus den Anfangsgründen des E-o wie z.B. glitveturilo (Schlitten), haben im modernen E-o fast schon archaische Züge, werden also nur noch selten verwandt und durch knappere und präzisere Stammwörter ersetzt, hier: sledo (Schlitten). Für die Flexibilität und das Spielerische de E-o sind sie jedoch oft unerläßlich.
Wenn ein novbakita (neugebackener) Esperantisto in einem Zeltlager nach dem akvilo fragt, weil er das Wort sitelo (Eimer) noch nicht kennt, dann wird man ihn auch so verstehen, eventuell aber auch den Wasserschlauch in die Hand drücken. Pafilo für Gewehr, manchmal ersetzt durch fusilo (Gewehr), ist nicht aus der Mode gekommen, wie sollte es derzeit auch?
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Kaj nun bonvolu traduki :
1) Gestern schrieb ich einen Brief an meine Freunde in Hamburg und brachte ihn zum Briefkasten bei der Post. Ich hoffe, daß sie bald antworten.
2) Warum willst du nicht übermorgen mit deiner Freundin in das Stadttheater gehen?
3) Unsere anarchistischen Freunde aus der Ukraine (Ukrainio) werden bei uns drei Monate bleiben.
4) Esperanto ist ein Werkzeug für die bessere Verständigung (interkompreno) zwischen (inter) den Völkern.
5) Gewehre gewähren keinen (ne garantias) Frieden (pacon).
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La tradukoj el la leciono 22:
1) Bonvolu ekfumigi vian cigaron en la fumeja vagono.
2) Kiam la infanoj ekvidis la maristojn, ili forkuris.
3) Ili konas unu la alian jam delonge.
4) La biblioteko havis multajn librojn, skribaĵojn kaj dokumentojn pri posedaĵoj, antaŭ oli ghi ekbrulis.
5) Mia eksa ĉefo iam poste komencis grefti tulipojn.
6) Reiru tuj en la hotelon kaj alportu la pakaĵon ĉi tien.
7) Pri kio li skribis al siaj gepatroj?
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