Kleiner Sprachkurs ESPERANTO
6. Lektion
Bonan tagon, karaj samideaninoj kaj samideanoj! Guten Tag, liebe Gleichgesinnte!
Die Bildungssilbe -an- bedeutet Anhänger, Mitglied, Zugehöriger, wie wir sie auch im Deutschen kennen ( Lutheraner, Hannoveraner): ano (Mitglied, Anhänger), ina ano (weibliches Mitglied), Berlinano (Berliner), Berlinanino (Berlinerin), domo (Haus), domano (Hausbewohner), familio (Betonung wie immer auf der vorletzten Silbe!), familiano (Familienangehöriger), gimnazio, gimnaziano (Gymnasiast), kurso, kursano (Kursteilnehmer), kongresanino (Kongreßteilnehmerin), grupo, grupano (Gruppenmitglied), provincanino (Provinzlerin), urbo (Stadt), urbano (Städter), kontinentano (Festländler) samlandano (Landsmann), eksterlandano (Ausländer) und schließlich samideano (Gleichgesinnter), dabei heißt sama gleich, ideo ist Idee, Gedanke, Meinung , Begriff. Folglich heißt samideano (Anhänger der gleichen Idee). Das Wort wird in der Anrede unter Esperantisten häufig gebraucht.
Wir sagten oben : bonan tagon! (Guten Tag!), im vierten Fall wie im Deutschen. Der Satz ist die Abkürzung von: Mi deziras bonan tagon! Bonan matenon! kennen wir schon. Ähnlich sind Bonan vesperon (Abend), Bonan nokton (Nacht), Bonan apetiton, Multan dankon (vielen Dank).
Ein Ort, an dem eine Tätigkeit ausgeübt wird oder der einem bestimmten Zweck dient, wird in Esperanto mit der Nachsilbe -ej- bezeichnet: ejo (Ort, Stätte, Stelle), trinkejo (Trinkstube), bi-e-re-jo, (Bierstube), baki (backen), bakejo (Bäckerei), telefonejo, lernejo (Schule), hundejo (Ort für Hunde), bovejo (Kuhstall) dancejo (Tanzsaal), policejo (Polizeistelle), halti (halten), haltejo (Haltestelle), koncertejo (Konzertsaal), kafejo (Cafe, Kaffeehaus).
In Worten wie hotelo braucht verständlicherweise kein -ejo- angehängt werden, weil in der Wortwurzel die Idee des Ortes bereits enthalten ist. Das gilt übrigens in ähnlicher Weise für alle anderen Vor- und Nachsilben in Esperanto, die also keineswegs immer gebraucht werden.
Wir kennen schon eine ganze Anzahl von Eigenschafts-wörtern. Wollen wir die davon abgeleiteten abstrahierenden Substantive bilden, so verwenden wir die Nachsilbe -ec-, also bona, boneco (Güte), bela, beleco (Schönheit), aber: belo (Schönes), malbeleco (Häßlichkeit), blindeco ( Blindheit), amikeco (Freundschaft), aber: amiko (Freund), klareco (Klarheit), aber: la klaro de la glaso (das Klare des Glases), pura (rein), pureco (Reinheit, Sauberkeit), nigra (schwarz), nigreco ( Schwärze), aber: la nigro (das Schwarze), dika, dikeco, frateco (Brüderlichkeit), aber: frato (Bruder), glata, glateco, grandeco (Größe), heleco (Helligkeit), juneco (Jugend), longo, longeco (Länge), rapideco (Schnelligkeit). Eco (Eigenschaft).
Von den Verhältniswörtern (Präpositionen) kennen wir bereits aus der Beugung der Substantive de (von) und al (zu, an, nach). Es sind selbstständige Wurzelwörter. Wir fügen jetzt folgende hinzu:
apud (neben)
dum (während)
ekster (außerhalb, außer im Sinne von ausgenommen)
krom (außer, im Sinne von mit eingeschlossen)
el (aus, aus ... heraus)
en (in)
inter (zwischen, unter)
kun (mit, zusammen mit)
per (mit, mittels, durch)
por (für)
post (hinter, nach)
pro (wegen), um ... willen)
sen (ohne)
sub (unter)
sur (auf)
super (über, oberhalb)
tra (durch, quer durch)
trans (jenseits, hinüber)
Weitere Verhältniswörter folgen später, sobald wir entsprechende Beispielsätze bilden können.