Kleiner deutscher Sprachkurs ESPERANTO

1. Lektion

Esperanto, die Internationale Plansprache, die der in Bialystok geborene und in Warschau verstorbene Augenarzt Dr. Zamenhof in den Grundzügen entwickelte und 1887 in einem kleinen Buch bekanntgab, hat seitdem in nun schon über hundert Jahren einige Millionen Anhänger gefunden, Zehntausende davon bei uns in Deutschland.

Die Verbreitung wurde hier dadurch unterbrochen, daß die Faschisten 1933 den damaligen Arbeiter-Esperanto-Bund verboten. In der DDR blieb Esperanto noch für lange Zeit ein Tabu, bis schließlich der Deutsche Kulturbund die Esperanto-Arbeit aufnahm. Er sorgte auch dafür, daß der Kurs in der Hobby-Ecke der Sonntagausgabe der Zeitung "Der Morgen" erschien. Da dieser heute noch mit seinen kurz gefaßten Kapiteln gut geeignet ist, um Esperanto selbstständig zu erlernen, stellen wir ihn hiermit - übrigens jetzt wieder als Fachgruppe Esperanto des Kulturbundes in Altenburg - nach und nach vor.

Das Esperanto-Alphabet hat die gleichen Buchstaben wie unser Alphabet ohne q,w,x und y, dazu kommen fünf weitere Buchstaben, Æ æ Ø ø ¦ ¶ ¬ ¼ Þ þ Ý ý, die mit einem "Dachbalken" versehen sind und Zeichen für besondere Laute darstellen, sowie ein u mit einem Häkchen darüber, das nur in Doppellauten vorkommt. Diese Buchstaben werden später behandelt.

Die Vokale a, e, i, o, u werden etwas offen, etwa wie im Deutschen ausgesprochen und lauten immer gleich. Dabei können wir uns einen wichtigen Grundsatz des Esperanto merken : Keine Regel hat eine Ausnahme. Es gibt also keine Regelwidrigkeiten, keine unregelmäßigen Formen und Wortbildungen. Und damit fallen eine ganze Reihe von Schwierigkeiten weg, die uns die eigene oder fremde Sprachen bereiten. So liegt zum Beispiel der Wortton grundsätzlich immer auf der vorletzten Silbe, eine sehr bequeme Regel.

Die Buchstaben b, d, f, g, h, j (vor Vokalen), k, l, m, n, p, r, t werden wie im Deutschen gesprochen, wobei zu beachten ist, das g immer ein g bleibt und nicht etwa zum j wird (wie janz jenau) und daß auch klar unterschieden werden muß zwischen weichem b,d,g und hartem p,t,k.

sp und st werden nicht wie bei uns in Spiel (schpiel) oder Strom (Sschtrom) gesprochen, sondern mit einem deutlichen scharfen s.

c entspricht unserem z in Zentrum: centro (Mitte).

s wird scharf gesprochen wie in Schuß: salo (Salz).

v klingt wie in Wunde: vundo (Wunde).

z lautet wie s in Rose: rozo (Rose), nazo (Nase).

Zusammentreffende Vokale spricht man getrennt aus wie etwa in Orient: aero = a-ero (Luft), biero = bi-ero (Bier).

Auch zusammentreffende Konsonanten trennt man wie in ankommen : banko = ban-ko, onklo = on-klo (Onkel), ohne das nasale n, das wir dabei sprechen.

Ein j zwischen zwei Vokalen gehört zur Silbe des zweiten Vokals: vojo = vo-jo (Weg), dagegen werden die Verbindungen aj, ej, oj und uj einsilbig und etwa wie in Hai, Boy, pfui gesprochen: kaj (und) hejmo (Heim), homoj (Menschen, Leute).

Wie ihr seht, schreibt man im Esperanto alle Wörter klein. Nur das Anfangswort eines Satzes und Eigennamen beginnt man mit großen Buchstaben.


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